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Vorlauftemperatur berechnen — pro Raum nach DIN EN 442

Die Vorlauftemperatur ist der entscheidende Wert für die Effizienz einer Wärmepumpe. Hier erklären wir, wie Sie die nötige Vorlauftemperatur Ihrer zukünftigen Anlage berechnen — auf dem iPhone in wenigen Minuten, mit Hersteller-Datenbank für 32 Heizkörper-Modelle.

Warum die Vorlauftemperatur über die Wärmepumpe entscheidet

Wärmepumpen sind Effizienzwunder — aber nur bei niedrigen Vorlauftemperaturen. Die Faustregel: jedes Grad weniger Vorlauf bringt rund 2,5 % mehr Jahresarbeitszahl (JAZ). Eine Anlage mit 35 °C Vorlauf erreicht typisch JAZ 4,5; bei 55 °C nur noch JAZ 3,0. Über das Jahr macht das 500–900 € Stromkosten Unterschied bei einem Einfamilienhaus.

In Bestandsgebäuden mit alten Heizkörpern liegt das Problem nicht bei der Wärmepumpe selbst, sondern bei der Heizfläche: alte Typ-11-Plattenheizkörper geben bei niedriger Wassertemperatur einfach zu wenig Wärme ab. Die einzige Lösung ist eine höhere Vorlauftemperatur — oder ein Heizkörpertausch.

Die Formel nach DIN EN 442

Jeder Heizkörper hat eine Nennleistung bei Norm-Bedingungen (75 / 65 / 20 °C — Vorlauf, Rücklauf, Raumtemperatur). Bei niedrigerer Wassertemperatur fällt die abgegebene Wärmeleistung nicht linear, sondern nach folgender Beziehung:

Q_actual = Q_nominal × (ΔT_mean / 50)^n

  Q_actual   = tatsächlich abgegebene Leistung (W)
  Q_nominal  = Nennleistung bei DT = 50 K (W)
  ΔT_mean    = mittlere Übertemperatur ggü. Raumluft (K)
  n          = Heizkörper-Exponent (typisch 1,30 für Platten,
               1,40 für Konvektoren, 1,33 für Rohrradiator)

Umgestellt nach der mittleren Übertemperatur und mit Spreizung Vorlauf−Rücklauf von typisch 5 K ergibt sich die nötige Vorlauftemperatur:

ΔT_mean = 50 × (Heizlast / Q_nominal)^(1/n)
T_VL    = T_Raum + Spreizung/2 + ΔT_mean
        = 20 + 2,5 + ΔT_mean    (für übliche Wohnräume bei -12 °C außen)

Beispielrechnung — Wohnzimmer 20 m², 2 kW Heizlast

  • Installierter Heizkörper: Plattenheizkörper Typ 22, 600 × 1400 mm. Nennleistung 1790 W (Hersteller-Wert für 75/65/20).
  • Da die Heizlast (2000 W) höher als die Nennleistung ist, liegt das Problem auf der Hand: schon bei 75 °C reicht der Heizkörper knapp nicht.
  • Mit ΔT_mean = 50 × (2000/1790)1/1,3 ≈ 54 K → T_VL ≈ 76 °C. Klar Wärmepumpen-ungeeignet, das ist Bestand.
  • Lösung: Heizkörper auf Typ 33, 600 × 1400 tauschen (Nennleistung ≈ 2620 W). Damit wird ΔT_mean ≈ 36 K und T_VL fällt auf 58 °C → Wärmepumpe machbar, aber nur mit Leistungsabschlägen.
  • Optimal: zusätzlich Fenstertausch + Dämmung, die Heizlast auf 1200 W reduzieren. Dann genügt der Typ 22-Heizkörper bei T_VL ≈ 43 °C → echte JAZ > 4.

Ampel-Rating in WärmePilot

Die App berechnet das pro Raum automatisch und visualisiert das Ergebnis als Ampel:

🟢
≤ 45 °C

Wärmepumpe wirkt mit JAZ > 4. Kein Heizkörpertausch nötig.

🟡
45–55 °C

Wärmepumpe möglich, JAZ 3,0–4,0. Tausch oder Dämmung bringt 10–30 % Stromersparnis.

🔴
> 55 °C

JAZ unter 3,0, Heizstab springt häufig an. Heizkörpertausch dringend empfohlen.

Häufige Fragen (FAQ)

Welche Vorlauftemperatur braucht eine Wärmepumpe?

Moderne Wärmepumpen arbeiten am effizientesten bei 35 °C Vorlauftemperatur. Bis 45 °C ist sehr gut (JAZ > 4), 45–55 °C noch akzeptabel (JAZ 3,0–4,0), über 55 °C drückt die Jahresarbeitszahl deutlich. Die Antwort hängt nicht von der Wärmepumpe ab, sondern von Ihrem Gebäude und Ihren Heizkörpern.

Wie berechne ich die Vorlauftemperatur für einen Raum?

Nach DIN EN 442 gilt für jeden Heizkörper: Q_actual = Q_nominal × (ΔT_mean / 50)^n, wobei n der Heizkörper-Exponent ist (Plattenheizkörper ≈ 1,30, Konvektor ≈ 1,40). Umgestellt: ΔT_mean = 50 × (Heizlast / Nennleistung)^(1/n). Mit Spreizung von 5 K ergibt sich T_VL = T_Raum + 2,5 + ΔT_mean.

Was ist der „Worst-Case-Raum"?

Die Wärmepumpe liefert eine einzige Vorlauftemperatur für alle Räume gleichzeitig. Daher zählt der Raum, der die höchste Vorlauftemperatur braucht — meist Badezimmer (hohe Soll-Temperatur) oder Räume mit unterdimensionierten Heizkörpern. Dieser Worst-Case bestimmt, wie effizient die Wärmepumpe arbeitet.

Lohnt sich der Heizkörpertausch vor der Wärmepumpe?

In vielen Bestandsgebäuden ja. Ein Tausch von Typ-11- auf Typ-33-Heizkörper kann die nötige Vorlauftemperatur um 10–15 K senken und die JAZ um 0,5–1,0 verbessern. Bei einer 15 000 kWh/a großen Anlage spart das 300–600 €/Jahr Strom. Faustregel: wenn der Worst-Case-Raum über 55 °C braucht, lohnt der Tausch fast immer.

Was passiert bei zu hoher Vorlauftemperatur?

Die Wärmepumpe muss den Heizstab zuschalten (bei Luft-Wasser-WPs oft ab −5 °C Außentemperatur), arbeitet mit COP unter 2,5 und braucht deutlich mehr Strom. Im Extremfall taktet sie häufig (kurze An-/Aus-Zyklen), was die Lebensdauer verkürzt.

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